|
Die 1. Mannschaft hat am Sonntag in Lohmar einen verhältnismäßig ungefährdeten, wenn auch in der Höhe glücklichen 5,5:2,5-Sieg einfahren können. Nach Siegburg wurde damit der zweite direkte Konkurrent in Folge deutlich geschlagen, wodurch wir (dank des Pechs der Konkurrenz aus Godesberg, die einer gegenüber unserem Kampf durch zwei Titelträger verstärkten Siegburger Mannschaft gegenüberstand und verlor) nun alleiniger Spitzenreiter in der SVM-Liga Ost sind.
Wie schon die Siegburger im Dezember, ging auch Lohmar deutlich ersatzgeschwächt in den Kampf. Zu allem Übel fiel das Spitzenbrett kurzfristig krankheitsbedingt aus, wodurch euer Berichterstatter das Geschehen von der Tribüne aus verfolgen durfte (allerdings ohne die Möglichkeit, zur Entspannung den Schiedsrichter zu beschimpfen). Da die stärksten Lohmarer Ersatzleute gleichzeitig in der Bezirksklasse Rhein-Sieg beschäftigt waren, gingen wir zu unserer Überraschung als klare Favoriten in den Kampf und konnten nach dem Prinzip "vorne remisieren, hinten machen Gunnar und Ralf das schon" spielen.
Ein schönes Beispiel für diese Strategie lieferte Wolles Partie an Brett 3. Unser Mann spielte im Königsinder schön stumpf die dxe5-Variante, tauschte die Damen hinterher und schon nach etwa 40 Minuten wurden die Hände zum Großmeisterremis gereicht. Keine hohe Schachkunst, aber zweifellos im Mannschaftsinteresse.
Etwas schwerer hatte es Jürgen, an dessen Brett die bloße Tatsache, dass er Schwarz hatte und gegen 1.e4 spielen musste, schon wieder Schlimmes ahnen ließ. Der Entwicklungsrückstand und die sich abzeichnende Öffnung der e-Linie bei unrochiertem schwarzem König machten es auch nicht besser. Aber ein Jürgen lässt sich doch von so was nicht ins Bockshorn jagen, Schwarz beendete einfach die Entwicklung und tauschte ein paar Leichtfiguren, während Weiß keinen Plan fand. Nach etwa zwei Stunden war auch diese Partie remis, bei vielleicht schon etwas besserer Stellung für Schwarz. Die e-Linie blieb übrigens bis zum Remisschluss zu.
Nach etwa dreieinhalb Stunden schaffte Lohmar doch noch den Ausgleich. Bert an 4 hatte aus der Eröffnung eine Stellung erreicht, die eher an einen Sf6- als an seinen standardmäßigen Lb4-Franzosen erinerte, die aber an sich ganz gut für Schwarz sein sollte. Nur überschätzte er seine Stellung und versuchte einen optisch schönen, aber nicht zielführenden Königsangriff am Damenflügel, anstatt normal auf die f-Linie und das Zentrum zu spielen. Das Resultat war ein sehr wohl zielführender weißer Gegenangriff am Königsflügel, der - auch durch den Umstand bedingt, dass Bert in letzter Zeit schlimmere Zeitnotprobleme hat als Hacki, so unglaublich das scheinen mag - zu einem für Weiß leicht gewonnenen Endspiel führte.
Die Lohmarer Freude währte jedoch nur kurz. Etwa zehn Sekunden, um genau zu sein. Vielleicht auch eine Minute, oder minus 42 Sekunden. Was weiß ich, ich war gerade draußen zum Rauchen. Jedenfalls hatte Gunnar an 7 unseren Masterplan (in der Mitte halten, hinten gewinnen) recht gemütlich angegangen und einen Abtauschslawen mit Damentausch aufs Brett gebracht. Man sollte meinen, dass es nicht mehr langweiliger werden könnte. Wurde es auch nicht, erst fiel die Uhr aus, und dann nahm Schwarz auf der Suche nach Gegenspiel einige Risiken in Kauf. Worauf Gunnar mitten im Endspiel eine glatte Qualität opferte, um den schwarzen Turm in seinem Gefängnis (oder besser Todestrakt) auf b5 zu halten. Besagter Turm fiel ohne große Umstände, wonach gegen die Mehrfigur nicht mehr viel zu machen war.
Das nächste mannschaftsdienliche Remis lieferte dann - immer noch in meiner Kippenpause - Chrivi ab, an dessen Brett eine holländische Theorievariante aufs Tapet kam. Im besten Großmeisterstil vergaßen beide Spieler so um den 13. Zug ihre Analysen, worauf eine wilde Abtausch- und Zwischenzugorgie begann, die etwa zwei Stunden in Anspruch nahm und die niemand außer den beiden Spielern auch nur ansatzweise verstand. Nachdem sich der Pulverdampf gelegt hatte, hatte Schwarz einen Mehrbauern und Läufer gegen einen relativ starken Springer. Chrivi setzte natürlich noch einen drauf und opferte eine Qualität, um diesen lästigen Springer und zwei weitere Bauern loszuwerden. Eigentlich dachten alle, dass jetzt die Bauern-"Lawiiiiiiiine" gewinnen würde, nur Chrivi schien sich da nicht so sicher zu sein und bot mal lieber Remis an.
Zu dieser Entscheidung hat sicherlich auch beigetragen, dass das Duell der Ersatzleute am Schlußbrett da schon sichtlich für Ralf das bessere Ende zu nehmen schien. Sein Grünfeldinder lieferte ihm einen bequemen Ausgleich, dann einen leichten Vorteil, und nach einigen weißen Verflachungsversuchen einen Mehrbauern. Verwirrenderweise wurde dieser Mehrbauer noch ein paar Mal gegen eine bessere Stellung und zurück getauscht. Schließlich wurde es dem Weißen zu bunt, und er opferte eine Figur für Dauerschachpfuschchancen. Ralf hatte allerdings keine wirklichen Schwierigkeiten, die Dauerschachdrohungen abzuwehren, und erzwang schließlich auf dem Opferweg den Übergang in ein leicht gewonnenes Bauernendspiel.
Damit hatten wir 4,5 Punkte, konnten unsere Nerven wieder runterfahren und Thomas am Spitzenbrett - eigentlich Brett 5, aber die Spieler hatten ihren quietschenden Tisch für die selige Ruhe meines freigebliebenen Brettes verlassen - einfach mal machen lassen. Seine Partie war zwar nicht die wildeste, aber sicherlich die spannendste. Das frühe Mittelspiel war unserem Mann, dem Damenbauernspiel sei es gedankt, gründlich in die Hose gegangen und angesichts des Raumnachteils am Damenflügel und der Mitte schien der Zusammenbruch nur eine Frage der Zeit. Na ja, abgesehen davon, dass Schwarz auch keinen Plan hatte. Schließlich fand Hacki irgendeinen Gang, an dem zumindest eine Zahl stand und kein "R", und schaffte es, seine Dame in den Rücken der vorgerückten gegnerischen Damenflügels zu bringen. In der Zeitnot unterliefen Schwarz noch einige Fehler nebst Bauernverlust, und nach der Lohmarer auf der Suche nach Gegenchancen sein Zentrum fallen ließ, stand bald das 5,5:2,5 für Euskirchen fest. Glückwunsch an Hacki, der damit seine Mannschaftsbilanz auf 4 Siege aus 4 Partien ausbaut und übrigens an diesem Tag der einzige nominell schwächere Euskirchner war.
Durch die Niederlage fällt Lohmar ins Mittelfeld zurück, während wir nach zwei Big Points in Folge alleine an der Tabellenspitze stehen und ein Tipp für uns an den Wettbüros nicht mehr viel einbringen wird. Aber das hängt auch damit zusammen, dass die Buchmacher Gewinn machen wollen. Mit Godesberg und Porz haben haben noch zwei direkte Konkurrenten die Chance, uns zu stoppen, und die Siegburger sind mit einem Mannschaftspunkt Rückstand noch lange nicht aus dem Rennen. Zumal wir vermutlich eh in bester Euskirchner Tradition alle direkten Konkurrenten deutlich schlagen werden, aber so viele Punkte gegen Mittelfeldmannschaften liegenlassen werden, dass es am Ende doch noch spannend wird. 
Ergebnisse vom 5. Spieltag der SVM-Liga Ost |